Stars and Stripes Fliegen lernen in den USA
  • Flugschulen




  • In diesem Kapitel geht es über die verschiedenen Arten der Flugschulen, insbesondere um den Unterschied zwischen FAR Part 61- und FAR Part 141-Schulen. Außerdem gibt es einige Tips, wie man sich von Europa aus die richtige Flugschule aussucht. Im dritten Teil beschreibe ich dann einige Flugschulen mit ihren Vor- und Nachteilen.



    Die verschiedenen Arten der Flugschulen in den USA

    Es gibt in den USA drei Arten von Flugschulen, das sind Schulen, die nach FAR Part 61 unterrichten, Schulen nach FAR Part 141 und die sogenannten Aviation Colleges. Letztere sind richtige Hochschulen, für die man mindestens ein Studentenvisa, gut zwei Jahre Zeit und auch eine ganze Menge Geld braucht. Obwohl man hier sicher eine sehr gute Ausbildung bekommt, und dann auch gute Chancen hat, wenn man beruflich in die Branche einsteigen will, kommt diese Art der Flugschulen wohl nur für die wenigsten in Betracht und deshalb werde ich hier auch nicht näher darauf eingehen.

    Wenn man sich zum ersten Mal Anzeigen und Berichte über amerikanische Flugschulen anschaut, fallen immer wieder die beiden Kürzel FAR Part 61 bzw. 141 auf. Zunächst einmal, FAR steht für Federal Aviation Regulations (entspricht der deutschen Luftverkehrsordnung) und das sind alle die Luftfahrt betreffenden Gesetze und Bestimmungen. In dem Abschnitt Nr. 61 (FAR Part 61) befinden sich die Bestimmungen über Voraussetzungen und Ausbildung zum Flugscheinerwerb, wogegen im Abschnitt 141 genaue Regelungen für die Flugschulen selber stehen. Was bedeutet dies nun für die einzelnen Flugschulen?

    Eigentlich sind nur die Part 141-Schulen richtige flightschools. Sie müssen jedes Jahr eine bestimmte Anzahl an Flugschülern haben und auch noch einige andere Voraussetzungen erfüllen. Deshalb werden diese Flugschulen auch regelmäßig von der FAA (Federal Aviation Administration, oberste Luftfahrtbehörde in den USA, entspricht dem deutschen Luftfahrtbundesamt) überprüft.

    Für Part 61-Schulen gelten diese Bestimmungen nicht, deshalb sind diese Schulen meist kleiner, haben weniger Flugzeuge und beschäftigen weniger Fluglehrer. Es gibt auch sehr viele einzelne Fluglehrer, die entweder ein eigenes Flugzeug haben oder mit einem Flugzeugverleih zusammenarbeiten, und so nebenberuflich Flugstunden anbieten, auch das fällt dann unter FAR Part 61. Man muß allerdings beachten, daß ein nebenberuflicher Fluglehrer meist nur abends und am Wochenende Zeit hat, so daß man den Flugschein kaum in sehr kurzer Zeit machen kann.

    Die Ausbildung läuft übrigens bei beiden Flugschularten gleich ab, bei der praktischen Prüfung wird nicht gefragt, nach welcher Art man unterrichtet wurde. Part 141-Schulen dürfen allerdings auch einen sogenannten accelerated course anbieten, bei dem weniger Flugstunden gefordert sind (bei PPL-Ausbildung zum Beispiel 35 statt 40 Stunden). Das macht aber meines Erachtens nur für Leute Sinn, die schon etwas Flugerfahrung haben. Als Anfänger benötigt man sowieso mindestens 40 Stunden, bevor man einigermaßen sicher in die Prüfung gehen kann.

    Wie finde ich die richtige Flugschule ?

    Das Finden der richtigen Flugschule von Europa aus ist keine leichte Aufgabe. Das Angebot ist riesig, und leider gibt es auch in dieser Branche einige schwarze Schafe, die mit falschen Versprechungen Kunden anlocken. Im Idealfall hat man einen guten, verläßlichen Freund, der eine gute Schule empfehlen kann, oder man geht vorher schon in die USA und schaut sich einige Flugschulen an, frägt Fluglehrer und redet mit anderen Schülern. Was aber tun, wenn man diesen Freund nicht hat und auch nicht so viel Zeit und Geld, die Schule vor Ort auszusuchen?

    Am Besten schaut man sich am Anfang die Anzeigenseiten von den diversen Luftfahrtzeitschriften durch (z.B. Aerokurier, Fliegermagazin) und sucht sich da einige Adressen von Schulen heraus. Auch im Internet gibt es einige Seiten mit Links zu Flugschulen (z.B. www.landings.com oder The Student Pilot Network). Als nächstes schreibt man diese Flugschulen an und lässt sich weiteres Infomaterial zur PPL-Ausbildung zuschicken. Von vorneherein ist es ratsam, sich nur auf die FAR Part 141-Schulen zu konzentrieren, nicht weil da die Ausbildung besser ist, sondern, wie oben beschrieben, wegen der regelmäßigen Kontrollen durch die FAA. Die Wahrscheinlichkeit, auf eines der schwarzen Schafe der Branche zu stossen, ist dadurch wesentlich geringer.

    Hat man das Material beisammen, geht es nun daran, die einzelnen Schulen zu vergleichen und die richtige herauszusuchen. Man sollte da allerdings nicht nur auf die Kosten achten, sondern auch die anderen Dinge berücksichtigen. Sehr wichtig ist die geographische Lage der Flugschule. Da das Wetter beim Fliegen eine extrem wichtige Rolle spielt, sollte man darauf achten, daß das Klima in der entsprechenden Zeit auch fürs Fliegen geeignet ist. Wenn man fliegen möchte ist nichts ist schlimmer als das Warten auf gutes Wetter. So sollte man im Winter nicht in den Norden gehen, im Sommer nicht unbedingt nach Florida (Hitze und Stürme möglich). Im Frühjahr und Sommer gibt es im mittleren Westen oft heftige Gewitter und es wird auch sehr heiß. Sehr gut geeignet ist im allgemeinen der Herbst, in Südkalifornien ist es so ziemlich das ganze Jahr über gut. Auf jeden Fall sollte man sich vorher über die jeweiligen Bedingungen genau informieren, so daß nicht aus den geplanten vier Wochen sechs werden. Auf keinen Fall sollte man den Ort nach touristischen Gesichtspunkten auswählen, denn möchte man die Ausbildung wirklich in vier Wochen beenden dann bleibt dafür sowieso nur wenig Zeit. Und ist man irgendwo in der tiefsten Provinz, dann kommt man auch nicht in Versuchung, statt dem Theorielernen auf Sightseeing-Tour zu gehen.

    Die Flugschule sollte auch nicht unbedingt an einem großen, internationalen Flughafen sein, da man da als Anfänger mit dem Sprechfunk deutlich überfordert wäre und da durch das Rollen und Warten am Boden, sowie durch das Ein- und Ausfliegen aus dem Luftraum immer sehr viel Zeit verlorengeht. Ein kleinerer, unkontrollierter Flugplatz ist deshalb für die PPL-Ausbildung besser geeignet.

    Andere wichtige Punkte sind zum Beispiel auch die Unterkunftsmöglichkeiten in der Nähe des Flugplatzes, die Entfernung zwischen Stadt und Flugplatz, Transportmöglichkeit zwischen Unterkunft und Flugschule und auch der verwendete Flugzeugtyp. Die meisten Flugschulen schulen entweder auf Cessna oder Piper Flugzeugen. Beide Typen sind für die Ausbildung in etwa gleichwertig. Cessnas gelten im allgemeinen als etwas gutmütiger im Flugverhalten, Piper-Piloten tun sich dafür normalerweise etwas leichter, wenn sie später auf einen anderen Flugzeugtyp umsteigen wollen. Bei anderen Schulungsflugzeugen kann es sein, daß man nach der Ausbildung Schwierigkeiten hat, Chartermöglichkeiten für diesen Typ zu finden.

    Am Besten sammelt man alle diese Informationen auf einer Tabelle und sucht sich so die geeignete Flugschule heraus. Bei noch offenen Fragen sollte man nicht zögern, der entsprechenden Flugschule noch einmal zu schreiben oder die Fragen gar telefonisch zu klären. Man kann nie zuviel über die Flugschule wissen !

    Beschreibung einiger Flugschulen

    Als Beispiele werde ich hier mal einige Flugschulen vorstellen und sie mitsamt ihren Vor- und Nachteilen beschreiben. Alle diese Schulen kenne ich aus eigener Erfahrung.

    Flugschule PAVCO Flight Center
    Tacoma Narrows Airport
    1110, 26th Ave. NW
    Gig Harbor, WA 98335
    phone: 253-851-5577
    Beschreibung eine mittelgrosse Part-141 Flugschule am Tacoma Narrows Airport im Großraum von Seattle; kleiner, aber kontrollierter Flughafen; wunderschöne Umgebung
    Vorteile sehr gute Preise für Flugstunden und Fluglehrer; herrliche Gegend zum fliegen
    Nachteile unbeständiges Klima im Großraum Seattle, selbst im Sommer; keine Unterkunft von der Flugschule, aber günstige Motels zum Beispiel in Tacoma; Mietwagen unbedingt erforderlich, da Flughafen sehr weit außerhalb

    Flugschule Ahart Aviation, Inc
    186 Airway Blvd.
    Livermore, CA 94550
    phone: 925-449-2142
    fax: 925-373-0944
    EMail: ahart@aimnet.com
    Beschreibung große, professionelle Part-141 Flugschule im Großraum von San Francisco an größerem, kontrollierten Flughafen; schöne Gegend
    Vorteile sehr professionell, trotzdem nette und familiäre Atmosphäre; Unterkunftsmöglichkeiten sind vorhanden; San Francisco in der Nähe, ideales Klima
    Nachteile vergleichsweise hohe Preise (üblich für Kalifornien)

    Flugschule AIRGO, Inc.
    Centralia Municipal Airport
    2331 East Calumet Street
    Centralia, Il 62801
    phone: 618-533-1643
    fax: 618-533-8616
    Beschreibung kleinere Part-141 Flugschule im mittleren Westen an kleinem, unkontrolliertem Flugplatz; fast nur internationale Flugschüler.
    Vorteile kleiner Flugplatz; Gegend zwar nicht besonders schön, aber gut zum fliegen; Mietwagen nicht erforderlich, Flugschule verleiht Fahrräder.
    Nachteile Unterkünfte der Flugschule nicht empfehlenswert; etwas unprofessionell.

    Bei all diesen Flugschulen bekommt man eine gute Ausbildung zu insgesamt vernünftigen Preisen. Bei Airgo habe ich übrigens alle meine Lizenzen gemacht, würde diese Flugschule aber nur noch bedingt empfehlen, da im Laufe der zwei Jahre, in denen ich immer mal wieder bei Airgo geflogen bin, die allgemeine Qualität etwas gesunken ist. Persönlich würde ich von den drei obigen Schulen mittlerweile für die PPL-Ausbildung Ahart den Vorzug geben, für IFR-Schulung Pavco. Beide Schulen machten einen sehr guten Eindruck.

    Ich habe übrigens mit keiner dieser Flugschulen in irgendeiner Weise etwas zu tun, dies sind einfach die Schulen, bei denen ich schon geflogen bin. Es gibt mit Sicherheit Flugschulen, die besser sind und deshalb ist es unbedingt ratsam, sich bei mehreren Schulen zu informieren und so die hoffentlich für den Einzelfall am besten geeignete zu wählen.



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