Stars and Stripes Fliegen lernen in den USA
  • Ausbildung




  • Hier geht es um die theoretische und praktische Ausbildung zum Privatpiloten, sowie um den Zeitraum, den man dafür benötigt.



    Theorie

    Die theoretische Ausbildung in den USA ist im Vergleich zu der deutschen nicht ganz so umfangreich. Man muß nur das wissen, was man zum Fliegen auch wirklich benötigt und auf unnötigen Ballast wird verzichtet. Trotzdem sollte man das ganze nicht unterschätzen, denn es bleibt immer noch genug übrig. Es empfiehlt sich auf jeden Fall, sich schon vor der Reise etwas vorzubereiten, so daß man sich in den USA dann auf den praktischen Teil der Ausbildung konzentrieren kann. Von den meisten Flugschulen kann man sich das nötige Material dazu zuschicken lassen.

    Es gibt in Amerika übrigens keine Bestimmungen darüber, wieviele Stunden Theorieunterricht man besuchen muss. Man muss nur bei der Prüfung entsprechend vorbereitet sein, aber wie man das getan hat, spielt letzendlich keine Rolle. Es liegt natürlich auch an der Flugschule, wie der Theorieunterricht gehandhabt wird, aber meistens wird man für sich lernen, um dann hin und wieder mit einem Fluglehrer die noch offenen Fragen zu klären. Die Unterlagen sind jedoch sehr gut, daß es normalerweise keine Probleme bereitet, sich daraus vorzubereiten. Auch bieten viele Flugschulen noch zusätzlich Videokurse an, womit man sein Wissen dann noch einmal vertiefen kann.

    Hat man dann einmal alles verstanden (oder glaubt es zumindest), dann kann man sich der Theorieprüfung (written exam) stellen. Diese Tests bestehen aus 60 Multiple-Choice-Fragen, von denen man 70% richtig beantworten muss, um den Test zu bestehen. Die Prüfung wird direkt an einem Computer abgelegt, so daß man sofort sein Ergebnis ausgedruckt bekommt. Es gibt übrigens Fragenkataloge, in denen alle mögliche Fragen der Prüfung stehen, und die sehr gut zur Vorbereitung geeignet sind. Man sollte jedoch nicht einfach die Fragen und Antworten auswendig lernen, da ein Teil der praktischen Prüfung eine mündliche Befragung ist, und der Prüfer achtet schon darauf, ob man alles auch wirklich verstanden hat.

    Zur Einstimmung habe ich hier einmal ein paar Fragen aus der Theorieprüfung zusammengestellt.

    Praktische Ausbildung

    Die praktische Ausbildung ist natürlich das Wichtigste und das Interessanteste bei der ganzen Sache. Hier lernt man, wie man ein Flugzeug sicher durch die dritte Dimension bewegt. Vorgeschrieben für die Ausbildung sind in Amerika mindestens 40 Flugstunden (35 bei Part 141 Flugschulen), davon 20 Stunden Soloflug, also allein ohne Fluglehrer. Das ist dann aber auch das Minimum, das man als Anfänger braucht, und um einigermaßen sicher in die Prüfung gehen zu können, sollte man besser mit rund 45 Flugstunden rechnen.

    Die Ausbildung gliedert sich in drei Teilbereiche. Im ersten Teil lernt man das eigentliche Steuern des Flugzeugs, die grundlegenden Manöver, das Verhalten in Extremsituationen und natürlich auch das Landen. Abschluß dieses Teils ist dann der First Solo Flight, der erste Alleinflug! Das ist gleichzeitig auch der Höhepunkt der gesamten Ausbildung, denn es ist wirklich ein wahnsinniges Gefühl, wenn man zum ersten Mal allein im Flugzeug sitzt. Jetzt hat man zum ersten Mal die volle Verantwortung über den Flug und verspürt zum ersten Mal die einzigartige Freiheit, von der alle Piloten schwärmen, die Nichtflieger aber nur so schwer nachvollziehen können. Natürlich darf man diesen Flug nur machen, wenn man dem Fluglehrer in den Stunden davor bewiesen hat, daß man auch wirklich alles kann.

    Im zweiten Teil der Ausbildung lernt man dann alles, was sonst noch wichtig ist beim Fliegen, insbesondere Sprechfunk und Navigation, aber auch die Nachtflugeinweisung ist hier enthalten. Außerdem lernt man die verschiedenen Start- und Landetechniken, zum Beispiel für extrem kurze Pisten oder bei Seitenwind. Jetzt verläßt man auch zum ersten Mal die bereits vertraute Umgebung des Flugplatzes und macht Überlandflüge zu anderen Flugplätzen. Zuerst natürlich mit Fluglehrer, dann aber auch allein. Von den geforderten 20 Stunden Soloflug müssen mindestens 10 aus Überlandflügen bestehen, darunter der sogenannte long solo crosscountry flight, ein Flug mit Landungen an zwei veschiedenen Plätzen, einer davon mindestens 100 nm (181 km) vom Startflugplatz entfernt. Hier gibt es einmal ein Ausschnitt aus einer Sichtflugkarte, dem wohl wichtigsten Navigationshilfsmittels bei Überlandflügen nach Sichtflugregeln.

    Hat man das dann alles geschafft, beginnt der dritte Teil, die Vorbereitung auf die praktische Prüfung. Hier werden dann alle Manöver und Landetechniken noch einmal vertieft und solange geübt, bis man alles ganz sicher beherrscht. Dieser Teil kann manchmal schon ein bißchen frustrierend sein, da auch die Nervosität wegen der bevorstehenden Prüfung steigt. Aber irgendwann hat man es dann doch geschafft, der Fluglehrer ist zufrieden und bescheinigt im Logbuch die Zulassung zur Prüfung. Die Prüfung selbst besteht aus einem mündlichen Frageteil und dem fliegerischen Teil. Es kommt natürlich auf den Prüfer und dessen Stimmung an, aber meistens ist nach 45 min bis einer Stunde schon alles vorbei und man bekommt einen vorläufigen Flugschein ausgestellt. Ab jetzt darf man sich ganz offiziell Privatpilot nennen! Die Durchfallquote ist in den USA übrigens relativ gering, da die Fluglehrer die Prüfungszulassung nur dann ausstellen, wenn sie sich ganz sicher sind, daß man die Prüfung bestehen kann.

    Zeitrahmen

    Sehr wichtig für die Planung der Reise ist die Zeit, die man für das Ganze benötigt. Einerseits will man die Ausbildung natürlich in der vorgesehenen Zeit ohne größeren Stress vollenden, andererseits kann man wegen anderen Verpflichtungen oder aus Kostengründen auch nicht beliebig lange weggehen. Hier muss man dann den richtigen Kompromiß finden.

    Für die eigentliche praktische Ausbildung werden mindestens drei Wochen gebraucht. Das ist aber das absolute Minimum und funktioniert nur, wenn man die Theorie schon zuhause komplett gelernt hat und wenn das Wetter an jedem Tag mitspielt. Besser ist es, mit vier Wochen zu rechnen, da hat man deutlich weniger Stress und es macht auch nicht ganz so viel aus, wenn an einigen Tagen unfliegbares Wetter herrscht. Aber auch in diesen vier Wochen ist nicht allzu viel Reserve, und man sollte soweit flexibel sein, um gegebenfalls den Rückflug um einige Tage nach hinten verschieben zu können. Muss man die Ausbildung unterbrechen und kann sie erst nach mehreren Wochen oder Monaten fortsetzen, verliert man noch sehr viel mehr Zeit und Geld, da man dann natürlich erst wieder einige Flugstunden benötigt, um wieder auf den gleichen Stand wie vor der Unterbrechung zu kommen.

    Aus mehreren Gründen sollte man aber nach der Ausbildung nicht gleich wieder nach Hause gehen, sondern erst noch einige Stunden selbst fliegen. Zum einen hat man jetzt die Gelegenheit, ganz ohne Druck das Gelernte weiter zu üben und zu vertiefen ("A good pilot is always learning !"), zum anderen macht es natürlich riesig Spass, auf diese Weise noch ein wenig die Umgebung zu erkunden. Der wichtigere Grund dafür ist aber der, daß man zur Anerkennung des Flugscheins in Deutschland mindestens 24 Flugstunden nach Scheinerhalt benötigt, und die sollte man sich gleich nach der Ausbildung in Amerika erfliegen. Warum das so ist, wird noch mal genauer im Kapitel Anerkennung beschrieben. Für diese 24 Stunden braucht man noch mal rund eine Woche, so daß man für die gesamte Reise 5 Wochen einplanen sollte. Ist man dann noch so flexibel, den Rückflugtermin um einige Tage verschieben zu können, ist man auf jeden Fall auf der sicheren Seite und es kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.



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