Stars and Stripes Fliegen lernen in den USA
  • eigene Erfahrungen




  • Dies ist ein ganz persönlicher Bericht über meine eigenen Erfahrungen, die ich so im Laufe der Zeit mit der Fliegerei in den USA gemacht habe.



    Der Anfang

    Am Anfang war da nur der Traum, irgendwie das Fliegen zu lernen. Doch erste Nachfragen bei einer deutschen Flugschule ließen den Traum dann erstmal platzen, denn die Zahlen, die ich da hörte, waren doch recht hoch. Rund 13.000 DM für den Flugschein, das konnte und wollte ich mir nicht leisten, zumal ich als Student auch nicht gerade zu den Großverdienern zähle. Also war der Traum solange ausgeträumt, bis ich in einer Fliegerzeitschrift einen Bericht über eine amerikanische Flugschule entdeckte. Für weniger als 3000 US$ sollte es möglich sein, da den Flugschein zu machen. Dieser Gedanke hat mich sofort fasziniert, auf diese Weise könnte ich zum Flugschein kommen, das ganze noch mit einem USA-Aufenthalt verbinden (ich war schon immer Amerika-Fan) und im Endeffekt sogar noch Geld sparen! Also schrieb ich einfach mal einige amerikanischen Flugschulen an, die in deutschen Fliegerzeitschriften (vor allem im Aerokurier) inserierten und ließ mir Informationsmaterial zuschicken.

    Schon kurze Zeit später kamen die ersten Unterlagen, vom einfachen Brief mit formlosem Schreiben bis zum mehrseitigen Hochglanzprospekt war alles dabei. Eine Flugschule aus Santa Barbara, Kalifornien schickte sogar ein Video (ich war echt beeindruckt, lauter wunderschöne Bilder von der herrlichen Landschaft und vom Strand, aber von der Flugschule selbst war so gut wie nichts zu sehen, also habe ich die dann gleich aussortiert). Beim Durchschauen der Unterlagen wurde mir recht schnell klar, daß es kein so leichtes Unterfangen war, die richtige Flugschule herauszusuchen. Ich hatte damals ja noch so gut wie keine Ahnung, kannte niemand, der mir helfen konnte und hatte auch noch kein Internet zur Verfügung. Alles was ich wußte, hatte ich mir vor allem aus Zeitschriften angelesen. Große Schwierigkeiten bereiteten mir vor allem die scheinbaren Widersprüche zwischen den einzelnen Schulen. Da schrieb die eine, daß 35 Flugstunden ausreichend seien, andere schrieben von mindestens 40 Stunden. Irgendwann wurde mir klar, daß das mit diesem FAR Part 61 bzw. 141 zu tun hatte. Bieten jetzt aber Part 141-Flugschulen die bessere Ausbildung, obwohl da weniger Flugstunden gefordert waren, ich wußte es nicht. So warf eine Antwort mindestens zwei neue Fragen auf. Von einer Flugschule bekam ich eine allgemeine Broschüre über "Choosing a flight school", die mir da sehr weitergeholfen hat.

    Auch das Vergleichen der Preise war nicht so einfach, die eine Flugschule bot all-inclusive Preise, wo aber doch noch irgendwo Extrakosten verborgen waren, dann gab es guaranted-completion-prices, die auch noch die eventuelle zweite Prüfung beinhalteten, falls die erste schief geht. Andere Flugschulen wiederum listeten alles nur einzeln auf und man musste selbst ausrechnen, was alles zusammen kostete. Nach langem Hin- und Herrechnen und Abwägen auch anderer Dinge, wie zum Beispiel Unterkunftsmöglichkeiten habe ich mich von den ursprünglich 10 Schulen auf zwei Flugschulen konzentriert. Das war einmal Mazzei Flying Service in Fresno, Kalifornien, und zum andern Airgo, Inc. in Centralia, Illinois. Beide erschienen sympathisch, beides waren Part 141 Flugschulen und beide hatten ein Komplettangebot für die PPL-Schulung inklusive Unterkunft im Programm. Weitere, detaillierte Nachfragen und die leicht geringeren Kosten haben letzlich dann meine Entscheidung zugunsten von Airgo gebracht.

    Als nächstes stand dann die medizinische Tauglichkeitsuntersuchung auf dem Programm. Ein Arzt war schnell gefunden und die Untersuchung war dann auch tatsächlich relativ harmlos. Beim Arzt bekam ich gleich eine Student Pilots Licence ausgestellt, also die Berechtigung, als Flugschüler solo fliegen zu dürfen. Mit diesem Papier in der Hand wurde mir dann so richtig klar, jetzt gibt es kein zurück mehr, jetzt werde ich das Fliegen lernen!

    Danach ging alles recht schnell, im Reisebüro einen Flug nach St. Louis buchen und einen Brief an die Flugschule mit der Anmeldung schreiben. Der günstige Dollarkurs und die gerade vorlesungsfreie Zeit an der Uni kamen mir da sehr gelegen. Seit dem ersten Entschluß, in Amerika das Fliegen zu lernen war nun ein gutes Jahr vergangen und ich brannte darauf, daß es endlich losging. Am 15. September 1995 dann, gegen 12.00 Uhr mittags bestieg ich die DC 10 der Continental Airlines nach Newark, New Jersey und ich war auf dem Weg in Richtung Flugschein !!

    Der erste USA-Aufenthalt

    Etwas mulmig war mir schon zumute, als ich nach 11 Stunden Flug und einer Zwischenlandung in Newark am Flughafen in St.Louis den ausgemachten Treffpunkt aufsuchte. Ich mußte auch nur rund 5 Minuten warten, bis mich jemand ansprach, ob ich auf den Abholer von Airgo wartete. Er stellte sich als Chris vor und war Fluglehrer. Zusammen fuhren wir dann nach Centralia, rund eine Stunde östlich von St.Louis. Die erste Nacht sollte ich auf Kosten der Flugschule in einem Motel verbringen, da die Unterkunft noch nicht verfügbar war, ein Umstand, der sich später als sehr glücklich erwies.

    Am nächsten Morgen holte mich jemand von der Flugschule ab und brachte mich zum Flugplatz. Das Wetter war an diesem Tag recht bescheiden und absolut nicht fliegbar, also zeigte mir ein Fluglehrer erst einmal die Flugschule und führte mich ein wenig herum. Viel gab es allerdings nicht zu sehen, die Flugschule war recht klein und auch auf dem Flugplatz war durch das schlechte Wetter rein gar nichts los. Also machte ich erst mal einen Rundgang durch die Stadt Centralia. Es war eine typische Kleinstadt im mittleren Westen, ein klein wenig heruntergekommen und absolut tote Hose. So war mein erster Eindruck nicht gerade berauschend und ich begann zu zweifeln, ob ich hier die richtige Flugschule gewählt hatte.

    Doch am nächsten Morgen sah die Welt schon wieder ganz anders aus, es war herrliches Wetter und ich traf mich wieder mit Chris, der mein Fluglehrer werden sollte. Nach einer kurzen Einführung gingen wir dan hinaus aufs Vorfeld und Chris erklärte mir an einem Flugzeug (einer Cessna C-150), wie man den sogenannten Preflight-Check durchführt, also das checken des Flugzeugs vor jedem Flug. Danach stiegen wir ein, Chris erklärte mir kurz die Instrumente und dann durfte ich den Motor starten, selbstverständlich streng nach der Checkliste. Das Rollen in Richtung Startbahn war gar nicht so einfach, da man ein Flugzeug ja am Boden mit den Füßen steuert, wenn man das aber nicht gewöhnt ist dreht man ständig am Steuerhorn und wundert sich, warum sich nichts tut. Aber mit ein bißchen Übung bekommt man das schon hin. Dann der erste Start, ein tolles Gefühl und schon etwas anderes, als wenn man nur als Passagier mitfliegt. Wir flogen dann ein paar Kurven, Steig- und Sinkflüge und schon nach kurzer Zeit bekam ich ein bißchen ein Gefühl für das Flugzeug, so schwierig war das Fliegen eigentlich gar nicht. Die Landung machte dann aber doch lieber mein Fluglehrer. Nachdem wir dann wieder sicher auf der Parkposition standen waren alle meinen letzten Zweifel vergessen, ich wußte, daß ich mich richtig entschieden hatte, das Fliegen zu lernen.

    Auf diese Weise ging es dann weiter, jeden Tag eine oder zwei Flugstunden, ich lernte die verschiedenen Manöver wie zum Beispiel Stalls, Slow Flight, Steep Turns und auch die sogenannten Ground Reference Manouvers, also Kurven um einen Punkt oder S-Kurven entlang einer Straße. Das Schwierigste aber war das Landen, hier mußte alles ganz genau stimmen und am Anfang gab es schon mal ein paar härtere oder hüpfende Landungen. Mit jedem Flug aber wurde ich besser und sicherer und auch der Fluglehrer mußte immer seltener eingreifen. Dann schließlich an einem schönen Morgen, ich hatte mittlerweile ungefähr zehn Flugstunden, flog ich mit Chris einige Platzrunden, ein ganz normaler Schulungsflug eben. Doch nach drei Landungen sollte ich zurückrollen, Chris sagte "You can do it alone now, you don't need me any more!" und stieg aus! Jetzt war ich also zum ersten Mal allein in einem Flugzeug und rollte wieder an die Startposition. Was jetzt kam, erachte ich bis heute als den absoluten Höhepunkt in meiner Fliegerkarriere, der erste Soloflug ist schon etwas ganz besonderes. Was in diesem Moment in mir vorging, kann man mit Worten kaum beschreiben. Da ist die totale Anspannung, die totale Konzentration, zum Angst haben bleibt keine Zeit mehr, dann aber auch das Gefühl der Freiheit, absolut klasse. Ich flog so vier Platzrunden und die Landungen waren alle relativ gut gelungen. Nachdem ich dann den Motor ausgestellt hatte, war ich einfach nur glücklich und mir wurde klar, daß ich jetzt ein richtiger Pilot war. Mein Fluglehrer Chris kam sofort auf mich zu und gratulierte mir zu dem erfolgreichen First-Solo-Flug (er war vermutlich noch mehr als ich erleichtert, daß alles gut ging). Danach schnitt er mir traditionell den Rücken meines T-Shirts aus und notierte darauf die Daten meines Solo-Flugs. Diese Trophäe hängt auch heute noch als Erinnerung über meinem Bett.

    In der Zwischenzeit sollte ich auch in die Unterkunft der Flugschule umziehen. Die anderen Flugschüler nannten das Gebäude "Animal House", also war ich schon ein wenig vorgewarnt. Doch als ich dann das sogenannte Zimmer (besser Zelle) sah, wurden alle meine Erwartungen übertroffen, ein winziger Raum ohne Fenster, gerade mal Platz für ein Bett und ein Stuhl. Über den Zustand der Küche und des Bads (eine Dusche für rund 5 Leute) schreibe ich mal lieber nichts. Kurz gesagt, hier konnte und wollte ich auf keinen Fall vier Wochen verbringen, also verlies ich das Animal House fluchtartig wieder und ging zurück ins Motel, in dem ich schon die ersten Nächte untergebracht war. Zum Glück konnte ich da einen günstigen Preis aushandeln und so hatte ich dann ein großes und sauberes Zimmer mit dem typischen, amerikanischen Komfort. Natürlich wurde die ganze Sache dadurch etwas teurer als geplant, aber das war es mir wert.

    Nach dem ersten Solo-Flug begann nun der interessanteste Teil der Flugausbildung. Ich konnte nun ein Flugzeug steuern und lernte jetzt die Sachen, die sonst noch zum Fliegen gehören, insbesondere die Navigation und den Sprechfunk. Mit Chris zusammen unternahm ich meinen ersten Überlandflug nach Carmi, Illinois. Jetzt sah ich dann auch einmal mehr von der Landschaft als immer nur die Umgebung von Centralia und ich stellte fest, daß man den mittleren Westen der USA am besten mit nur einem Wort beschreibt, flach. Trotzdem hat die Landschaft irgendwie auch ihren Reiz und zum fliegen war das ganz ideal, da die meisten Straßen entweder in Nord-Süd- oder in Ost-West-Richtung verliefen, war die Navigation relativ einfach. Hatte man jedoch trotzdem einmal die Orientierung etwas verloren, konnte man immer noch die nächste Ortschaft im Tiefflug ansteuern und den Ortsnamen auf dem Wasserturm lesen. Der Sprechfunk bereitete mir am Anfang die weit größeren Schwierigkeiten. Zunächst verstand ich überhaupt nichts, der englische Slang, die teilweise schlechte Übertragung durch den Funk und auch die eigene Nervosität, etwas ins Mikrofon zu sagen machten es nicht gerade einfacher. Doch mit jedem Flug wurde das besser, schließlich blieb einem bei den Solo-Flügen ja auch gar nichts anderes übrig, als selbst den Sprechfunk durchzuführen.

    Ein paar Tage später dann stand der nächste Höhepunkt auf dem Programm, der "long solo cross country flight", ein Soloflug mit mindestens drei Landungen an verschiedenen Orten, wovon einer mindestens 100 NM (181 km) entfernt sein mußte. Die Route sollte mich von Centralia nach Cape Girardeau, Missouri, Owensboro, Kentucky und wieder zurück führen. Natürlich habe ich die Route zusammen mit Chris bis ins kleinste Detail geplant, aber beim Fliegen kommt es eben oftmals anders als man denkt. Am Anfang lief alles gut, bis ich in den Bereich von Cape Girardeau kam, ein kontrollierter Flughafen mit Fluglotsen und Tower. Ich meldete mich also über Funk beim Tower und bekam Anweisungen, wie ich in den Luftraum einzufliegen habe und welcher Landebahn ich benutzen sollte. Diese Anweisungen wollte ich mir sofort aufschreiben, um ja kein Fehler zu machen, doch leider ist mein Bleistift irgendwo auf dem Cockpitfußboden verschwunden und ich konnte ihn beim Fliegen nicht so schnell wiederfinden. Als ich näher an den Flughafen kam, war ich mir dann gar nicht mehr so sicher, auf welcher Landebahn der Fluglotse mich haben wollte, auf die Idee aber, einfach noch mal nachzufragen, bin ich nicht gekommen. Der Wind stand günstig für Runway 20 und 28, also war das auch keine Hilfe. Aufgrund meiner Nervosität machte ich dann noch einen Fehler, ich flog die falsche Runway an, meldete aber beim Tower die Position für die richtige Runway, so daß der Fluglotse mich nicht sehen konnte, da er natürlich in die falsche Richtung sah. Nach einem regen Funkverkehr, der Fluglotse wurde immer säuerlicher, ich wurde immer nervöser, hat sich dann alles aufgeklärt und ich bekam die Landefreigabe und landete auf der richtigen Runway. Zum Glück war zu dieser Zeit gerade sehr wenig los auf dem Flughafen, sonst hätte ich vermutlich ein ziemliches Chaos ausgelöst! Der weitere Flug nach Owensboro verlief sehr gut, auch hatte ich da keine Probleme mit dem Sprechfunk (ich hatte vorher schon einen Ersatzbleistift aus dem Gepäckraum geholt). Dann auf dem Rückflug wurde plötzlich das Wetter schlechter, dicke schwarze Wolken waren auf einmal auf meinem Weg und es begann sogar ein wenig zu regnen. Ich fand allerdings eine Route, wo ich unter den Wolken durchfliegen konnte und kam schließlich zurück nach Centralia. Hier hatte allerdings mittlerweile der Wind ziemlich aufgefrischt und kam auch bei der Landung direkt von der Seite, aber trotzdem konnte ich das Flugzeug einigermaßen sicher landen. Mein Fluglehrer war allerdings ziemlich erfreut, als ich endlich zurückkam. Trotz allem war dieser Flug ein echtes Erlebnis und machte mich ein ganzes Stück reicher an Erfahrungen.

    Als nächstes sollte ich dann die Theorieprüfung ablegen. Ich hatte mich allerdings schon in Deutschland etwas darauf vorbereitet und dank der wirklich guten Materialien, die es gab, war das dann echt kein Problem. Die Prüfung konnte ich direkt am Computer ablegen und so bekam ich am Ende gleich die Bescheinigung mit dem Ergebnis. Von jetzt an konnte ich mich dann voll auf den praktischen Teil der Ausbildung konzentrieren.

    Die weiteren Überlandflüge und die Nachtflugeinweisung liefen problemlos, wobei der Nachtflug natürlich ein ganz besonderes Erlebnis war. Es gibt in den USA bei vielen kleineren Flugplätzen die Möglichkeit, nachts die Flugplatzbefeuerung selbst über Funk anzuschalten. Man geht auf eine bestimmte Frequenz und drückt siebenmal hintereinander die Mikrofontaste und wenn dann plötzlich der Flugplatz in seiner ganzen Lichterpracht aufleuchtet, ist das schon beeindruckend. Allmählich rückte der Termin für die praktische Prüfung näher und das hieß jetzt noch einmal üben, üben, üben. Immer abwechselnd ein Flug mit Fluglehrer und eine Soloflugstunde, bis dann auch wirklich alle Manöver und Landungen richtig saßen. Insbesondere bei den verschiedenen Landetechniken hatte ich noch ein paar Probleme, also flog ich stundenlang nur Platzrunden und schließlich bekam ich das auch in den Griff.

    Chris bescheinigte mir, daß ich für die Prüfung fit war und so konnten wir einen Termin für den Prüfungsflug ausmachen. Der Prüfer hieß Les und war gleichzeitig auch der Eigentümer der Flugschule, wir kannten uns also schon und das war irgendwie beruhigend. Trotzdem natürlich war ich vor dieser Prüfung ziemlich nervös, doch als wir dann in der Luft waren, konnte ich mich dann voll aufs fliegen konzentrieren. Die ersten Manöver, die Les forderte, liefen recht gut und ich war zuversichtlich. Dann flogen wir zurück zum Flugplatz und ich sollte eine sogenannte Short-Field-Landing zeigen, ausgerechnet die Technik, bei der ich bisher am meisten Probleme hatte. Doch irgendwie bekam ich das doch hin, die Landung war zwar etwas härter aber anscheinend genügte sie den Ansprüchen. Als wir dann zurück auf die Parkposition rollten kamen endlich die erlösenden Worte vom Prüfer, "Congratulations, you have done a good job!". Les händigte mir danach den vorläufigen Flugschein aus und ich war Privatpilot !!

    Ich feierte diesen Triumph zusammen mit ein paar anderen Flugschülern bei einer großen Pizza Supreme im Pizza Hut, es war schon ein ablolut klasse Gefühl, nach der ganzen Anspannung und Arbeit der letzten Wochen nun endlich am Ziel zu sein. Ich hatte noch einige Tage Zeit bis zu meinem Rückflug nach Deutschland und wollte die nutzen, um noch ein bißchen als frischgebackener Privatpilot in der Gegend herumzufliegen. Gleich mein erster Flug als Privatpilot führte mich auf den internationalen Flughafen von Indianapolis. Eine Flugschülerin aus Indien, die zu diesem Zeitpunkt für ihre Instrumentenfluglizenz arbeitete, flog da mit und wir konnten uns die Arbeit teilen, ich flog und sie machte den Sprechfunk. So war es echt ein tolles Erlebnis, mal mit einem kleinen Flugzeug einen richtig großen Airport anzufliegen. Ein anderes tolles Erlebnis hatte ich auf dem kleinen Flugplatz von Fredericktown, Missouri. Ich landete da um die Mittagszeit und wollte eine Kleinigkeit essen, also fragte ich den Platzwart, ob es da in der Nähe was gibt. Er meinte, daß so ungefähr zwei Meilen weiter ein kleines Restaurant sei. Das war mir aber dann doch zu weit zum laufen und so drückte mir der Mann seinen Autoschlüssel in die Hand und meinte, ich solle doch einfach hinfahren. Ich war zunächst sehr erstaunt, da in Deutschland sowas natürlich absolut undenkbar wäre, doch später habe ich herausgefunden, daß es in Amerika auf den kleinen Flugplätzen üblich ist, umsonst ein sogenanntes Courtesy Car zu bekommen, wenn man etwas in der Nähe der Flugplätze zu tun hatte. Ein echt klasse Service! Auf diese Weise verbrachte ich die letzten Tage in den USA und bin noch einmal rund 10 Stunden geflogen.

    Der zweite USA-Aufenthalt

    Zurück in Deutschland wollte ich natürlich so schnell wie möglich den Flugschein anerkennen lassen, damit ich hier auch fliegen konnte. Ich wußte, daß mir von den erforderlichen 24 Flugstunden noch rund 14 fehlten, also sah ich mich nach einem amerikanisch registrierten Flugzeug um, das man chartern konnte. Ich hatte vorher gelesen, daß es auch in Deutschland solche Flugzeuge gab und daß diese vergleichsweise preiswert seien. Doch schon nach ein paar Nachfragen bei verschiedenen Flugplätzen wurde mir klar, daß dem nicht so ist. Es gab zwar amerikanische Flugzeuge, dies waren aber allesamt Privatmaschinen, die man nicht chartern konnte. Nach langer Suche und zahlreichen Telefongesprächen (ich rief sogar bei der FAA in Frankfurt an, leider ohne Erfolg) fand ich eine amerikanisch registrierte Piper, die man chartern konnte. Der Nachteil bei der Sache, dieses Flugzeug war irgendwo am Bodensee stationiert (ich wohnte in der Nähe von Karlsruhe) und war auch sehr teuer. Ich rechnete mal aus, was die Flugstunden kosteten, die ich noch benötigte und kam auf eine ziemlich hohe Summe. Eine weitere Rechnung zeigte mir, daß es mich viel billiger kam, wenn ich noch einmal in die USA ging, um dort zu fliegen.

    Die ganze Zeit nach dem USA-Aufenthalt war recht frustrierend, da ich rein theoretisch fliegen konnte, aber eben einfach nicht durfte. Schließlich entschloß ich mich, noch einmal nach Amerika zu gehen um dort zu fliegen. Im Frühling 1996 ging ich also wieder für zwei Wochen nach Centralia und charterte ein Flugzeug für zwanzig Stunden. Ich war nun fast ein halbes Jahr nicht mehr geflogen und es dauerte schon einige Flugstunden, bis ich wieder einigermaßen fit war. Aber es machte wieder einen Wahnsinnsspaß, in Amerika zu fliegen und die Freiheit zu genießen. So flog ich zum Beispiel nach Chicago und landete auf dem berühmten Flugplatz Meigs Field, der direkt neben der Innenstadt auf einer Halbinsel im Michigansee angelegt ist.

    Irgendwann redete ich mit dem Eigentümer der Flugschule und erkundigte mich erstmal nur spaßeshalber nach einer Ausbildung zum Berufspilot (Commercial Pilot). Er machte mir jedoch ein wirklich gutes Angebot und nach reiflicher Überlegung entschloß ich mich, diese Ausbildung, zusammen mit der Instrumentenflugberechtigung noch zu machen. Also ging ich schon kurze Zeit nach dieser zweiten USA-Reise wieder zurück nach Amerika, diesmal für rund drei Monate und erwarb noch die anderen Flugscheine. Die Geschichte dieser Tour erzähle ich aber jetzt nicht hier, das würde den Rahmen dann doch etwas sprengen (mal sehen, vielleicht ein andermal :-)).



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